2017-02-16

Gedichte v. Aloys Schreiber: Das Rhein-Tal (11)




Das Rhein-Thal

Strom der Heimath, mir so lieb,
Hast Jahrtausende gesehen,
Die nicht auf den Tafeln stehen,
Welche die Geschichte schrieb.

Doch verzeichnet sind sie dort,
In den wildgethürmten Schichten.
Was die Berge uns berichten,
Ist ein unvergänglich Wort.

Eine neue Sonne scheint,
Seit die treuen Heliaden
An den öden Schilfgestaden
Um des Bruders Tod geweint.

Haben nicht den Dattelwein
Fromme Völker hier getrunken?
Doch die Palmen sind versunken,
Und ihr Mark gefror zu Stein;

Und des Öhlbaums heilig Laub,
Das des Markwalds Höhen schmückte,
Das der Schlangentödter pflückte,
Wurde der Gewässer Raub.

Ja, ein Eden hat geblüt
In des Rheines milden Thale,
An des Himmels erstem Strahle,
Eh' der Kaiserstuhl geglüht;

Eh' noch Jovis Sternenring
Sich zum festen Kern verdichtet,
Eh' ein Gott die Welt gerichtet,
Und die Nacht den Styr umfing.

Ach, in dunklen Sagen nur
Hat sich jene Zeit erhalten,
Und des Nordes Stürme walten
Auf der Paradieses-Flur.

Das dämonische Geschlecht,
Dessen Hüften wir entsprungen,
Spie zum Himmel Lästerungen,
Trotzend auf ein Götterrecht.

„Menschen, uns're Kinder, ihr
Mögt die Erde von uns erben,
Jenes bess're Reich erwerben
Über Sternen wollen wir.“

Und sie klimmen keck hinan
Zu dem hohen Wolkensitze,
Und sie achten nicht der Blitze
Auf des Kampfes lust'ger Bahn.

Aber plötzlich braust das Meer,
Feuerbäche gießen nieder,
Über der Titanen Glieder
Wälzen sich die Berge her.

Eine Wüste steigt empor:
Lava-Felsen aus den Gluthen,
Knochenberge aus den Fluthen,-
Sinnend steht der Mensch davor.

Wohl, die Todten schweigen nicht,
Reden müssen, die verwesen,
In der Asche kann er lesen,
In den Gräbern brennt ein Licht.

Bald auch regen ihm die Hand
Kräfte seiner Riesenahnen,
Stimmen hört er, die ihn mahnen
An sein altes Vaterland.

Und zum Kampfe faßt er Muth,
Zwingt die Erde, ihm zu dienen,
Weiß die Hohen zu versühnen,
Muß es seyn, mit eig'nem Blut.

Und des Rheines öder Grund
Wandelt sich zum Blumengarten,
Und die Hände, die ihn warten,
Schlingen sich zum Freiheytsbund.

Städte spiegeln sich im Strom,
Schönes waltet in dem Leben,
In die Wolken hoch erheben
Muß sich Erwins stolzer Dom.

Und in Ton und Farb' erblüht,
Was kein ird'scher Sinn vernommen,
Was von oben nur gekommen
Ist das Liebende Gemüth.

Schönes Thal am blauen Rhein,
Mit versunk'nen Heldenmahlen,
Herrlich wird dein Nahme strahlen
Bis zum letzten Sternenschein.

Deiner Söhne heil'ge Schar
Nimmer wird sie Niedres dulden,
Was die Zeiten auch verschulden,
Löst sie fromm am Blutaltar.

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