17.02.2017

Gedichte v. Aloys Schreiber: Das verlassene Kloster (18)




Das verlassene Kloster

Aus des Waldes Schauer
Blickt das Kloster her,
Wie in Grabes Trauer,
Still und öd' und menschenleer.

In der dunkeln Zelle
Schweigt der Bußgesang,
Und durch die Capelle
Hallt nicht mehr der Orgelklang.

Nur die Spinne webet
Am verblich'nen Chor,
Zu dem Kreuze hebet
Sich kein frommes Aug' empor.

Aber horch', im Sturme
Schwarzer Mitternacht
Ruft die Glock' vom Thurme:
Schläfer, zum Gebeth erwacht!

Durch den Kreuzgang ziehen
Mönche Paar und Paar,
Bleiche Büßer knieen
Händefaltend am Altar.

Und, von selbst entzündet,
Flammt das ew'ge Licht,
Und das Lied verkündet
Nahend schon das Weltgericht.

Alle Wipfel regen
In der Wildnis sich,
Wie von Donnerschlägen
Bebt die Erde fürchterlich.

Durch der Wüste Grauen
Kommt ein Pilgersmann,
Klopfet mit Vertrauen
An der Klosterpforte an.

Mit Gelübden büßen
Will er eine Schuld,
Zu des Heilands Füßen
Ziehen um verlorne Huld.

Gläubig stürzt er nieder
In der Bether Kreis,
Mischt in ihre Lieder
Seines Herzens Dank und Preis.

Und der Priester hebet
Segnend seine Hand,
Von den Stufen schwebet
Er empor, im Lichtgewand.

Friede mit euch allen,
Ruft er dann herab,
Und die Büßer wallen
Jeder wieder in sein Grab.

Und der Pilger sinket,
Und sein Auge bricht,
Glanz des Himmels blinket
Um sein sterbend Angesicht.



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