2017-02-18

Gedichte v. Aloys Schreiber: Der Mensch (26)





Der Mensch

In die Welt hinaus gestoßen
Steht der Mensch verlassen da,
Winde brausen, Wellen tosen,
Nichts ist seinem Herzen nah.

Liebend rufen ihm die Sterne,
Rufen ihm die Blumen zu:
Sieh nicht traurig in die Ferne,
Uns, oh Mensch, gehörest du!

Und er drückt mit tiefem Sehnen,
Erd' und Himmel an sein Herz,
Und in warmen, linden Thränen
Löst die Liebe seinen Schmerz.

Doch der Nord verheert die Auen,
Jedes Blümlein hat sein Grab!
In die Erde, mit Vertrauen,
Steckt er seinen Wanderstab.

Und mit hoffendem Gemüthe
Schaut er auf zum Sternen-Chor;
Und es bricht die zarte Blüthe
Aus dem dürren Holz hervor.

Seines Wegs Gefährten fliehen,
Geben der Gefahr Ihn preis,
Niemand theilet seine Mühen,
Und ihn drückt des Alters Eis.

Ängstlich sucht er nach der Schwelle
Wo einst seine Wiege stand,
Aber fremd ist ihm die Stelle,
Niemand beut zum Gruß die Hand.

Und er schaut vertrauend wieder
Zu dem blauen Himmel auf:
„Meine Jugend kehrt nicht wieder,
Unvollendet ist mein Lauf.“

„Vieles wird der Zeit zum Raube,
Doch nicht alles kann vergeh'n,
Einer ist's, an den ich glaube,
Einer, den die Sterne seh'n.“

„Lieben kann ich auch und hoffen,
Tief im Dunkel glänzt ein Licht,
Und ich seh' den Himmel offen,
Wenn das Herz im Tode bricht.“

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