2017-02-19

Gedichte v. Aloys Schreiber: Der Schatten (29)





Der Schatten

Fremdling, klage nicht an meinem Hügel,
Blicke zu dem Morgenstern hinan;
Hier wohl schwingt Vergessenheit den Flügel,
Doch der Staub nur bleibt ihr unterthan.

Zwar es ist mein Name längst verklungen,
Moos bedeckt die Schrift an meinem Grab,
Aber sieh, sein Riegel ist gesprungen,
Und der Morgen scheint darauf herab.

Was ich, fromm vertrauend, ausgestreuet,
Wahrlich, nimmer kann es untergehn,
Die ich zu der Wahrheit Dienst geweihet,
Werden stets an ihrem Altar stehn.

Siehst du dort die reichen Schatten wallen!
Fröhlich decken sie ein glücklich Land-
Und das erste Samenkorn von allen
Gab der Erde vormahls meine Hand.

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