2017-02-17

Gedichte v. Aloys Schreiber: Der Einsiedler (20)




Der Einsiedler

Siehe da in Waldesnacht
Eine kleine Fels- Capelle,
Und die Eremiten-Zelle
Von den Geistern still bewacht!

Wo geheimer Schauer weht,
Unter alten, grauen Eichen,
Vor der Sühne heil' gem Zeichen,
Kniet der Büßer im Gebeth.

Unterm armen Dach von Moos
Lebt er, jedem Wahn verborgen,
Seine Wünsche, seine Sorgen
Ruhen in der Gottheit Schooß.

Keine Täuschung wiegt ihn ein;
Was er stündlich je verschuldet,
Hat er liebend abgeduldet,
Und der Himmel ist schon sein.

Frommer Einfalt will sein Mund
Gerne Fröhliches berichten;
Denn in heiligen Gesichten
Ward ihm viel von ienseits kund.

Sicher ruht sein Lebenskahn
An dem Kreuze fest gebunden,
Und in bangen, schwarzen Stunden
Schaut er seinen Mittler an.

Aus dem Stürmen flieht der Aar
Auf die hohe Felsenspitze,
Sieht da unter sich die Blitze,
Über sich den Himmel klar.

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