2017-02-18

Gedichte v. Aloys Schreiber: Der Rittertanz (27)





Der Rittertanz

Es irret ein Waidmann, keck und jung,
In des Bergwalds schaurigen Gängen,
Er ruft die Gefährten vom Felsensprung
Mit des Hornes schmetternden Klängen.

Die Nacht ist da, die Gefährten sind fern,
Rings herrschen Grausen und Schweigen,
Durch die Wipfel leuchtet kein milder Stern,
Und kein Pfad will dem Auge sich zeigen.

Bisweilen nur hört man, tief im Forst,
Der Wildnis ächzende Stimmen:
Die Trümmer der Burg im Tannenhorst,
Die wagt er jetzt kühn zu erklimmen.

Bald steht er im öden Rittersaal,
Die Furcht, die weiß er zu höhnen;
Und lustig läßt er hinab ins Thal
Noch ein Mahl sein Gifthorn ertönen.

Da wandeln zur Thür zwölf Lichtlein herein,
Der Waidmann sieht sie mit Grauen!
Es kommen hinter dem Lichtlein drein
Zwölf stattliche Ritter und Frauen.

Der Vorderste winket dem Waidmann zu,
Ein lustiges Stücklein zu blasen;
Der Waidmann gehorcht, und es schweben im Nu
Die Gestalten dahin auf dem Rasen.

Auch die Lichtlein fangen zu hüpfen an,
Und folgen den zierlichen Schritten,
Da plötzlich hört man krähen den Hahn
In des Wiesengrunds schlummernden Hütten.

Und alles hält still und schaut empor,
Die Nacht, sie will schon zerrinnen;
Vor dem Waidmann neigt sich der Frauen Chor,
Und geht mit den Rittern von hinnen.

Der Jüngling steht, wie im schweren Traum,
Und kann die Furcht nicht bezwingen,
Bis in des Saales verwachsenem Raum

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