2017-02-15

Gedichte v. Aloys Schreiber: An die Berge der Heimath (2)





An die Berge der Heimath

Ihr schaut so treu herüber,
Ihr Heimathberge dort,
Ihr fordert mich hinüber
Hier aus der Fremde fort.

Wenn eure Höh'n verschwimmen
In Morgenherrlichkeit,
Hör' ich bekannte Stimmen
Aus meiner Kinderzeit.

Ich seh' euch freundlich winken,
Wohin ich immer geh',
Und trostlos will versinken
Das Herz im Sehnsuchtweh.

Dem Städter bleibt verborgen,
Was mich so mächtig zieht;
Er jagt mit bangen Sorgen
Nach dem, was schnell entflieht;

Er hört nur Blätter fallen,
Wo Geisterlispel wehn,
Er sieht nur Nebel wallen,
Wo Heldenschatten gehn.

Was ihr mir offenbahret,
Begreift er ewig nicht,
Was ihr in euch bewahret,
Däucht ihm ein Wahngesicht.

Des Lebens wahre Kunde
Ist in den Bergen nur,
Da stehn im festen Bunde
Der Mensch und die Natur;

Da schwebt in frommen Träumen
Das Herz zum Abendstern;
Da, bey des Waldbachs Schäumen,
Weilt die Begeist' rung gern.

Auf des Gebirges Spitze,
Da ist des Wetters Bahn,
Da zündet seine Blitze
Der Geist der Wolken an.

Und wo die Stürmer kreisen,
Tief in der Erde Bau,
Da blüthet Gold und Eisen
Der Gnome klein und grau.

Nur in den Bergen springet
Der Quell so frisch und klar,
Nur in den Bergen klinget
Das Lied so wunderbar.

Das ist ein freyes Streben,
Das ist ein Heimathland,
Das ist noch reines Leben,
Wie's quillt aus Gottes Hand.

Da sehn die Sterne heiter
Zur Erde noch herab,
In Blumen, Gras und Kräuter
Hüllt sich da iedes Grab.

Da ist noch viel geblieben
Aus guter, alter Zeit,
Das fromme, treue Lieben,
Und Kraft und Biederkeit.

Um mich ist viel vergangen
Zerrissen manches Band,
Doch wächst noch das Verlangen
Nach meiner Väter Land,

Wo mir die Kindheit blühte
Im schönen Hirtenthal,
Wo mit den Bergen glühte
Mein Herz im Abendstrahl;

Wo, was an's Leben bindet;
Auch in den Tod uns treibt;
Wo, wenn die Erde schwindet,

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