19.02.2017

Gedichte v. Aloys Schreiber: Die Jungfrau (35)





Die Jungfrau

Das zart' ste kannst du sehen
Im Blümlein auf der Flur,
Jedoch kein Wort verstehen
Mag fromme Einfalt nur.

Die reinen Frühlingslüfte
Umspielen seine Brust,
Es spendet süße Düfte,
Sich selber unbewußt.

Dem gröberen Verlangen
Ist es nicht unterthan,
Vom schönen Licht umfangen,
Blickt es den Himmel an.

So ist der Jungfrau Leben,
So ist ihr treuer Sinn,
Ihr demuthsvolles Streben
Geht nicht nach Fremdem hin.

Von einem goldnen Scheine
Glänzt ihre Lilienkron',
Doch sie, die Fromme, Reine,
Sie ahnet nichts davon.

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