19.02.2017

Gedichte v. Aloys Schreiber: Die Jungfrau auf Burg Windeck (36)



Die Jungfrau auf Burg Windeck

Es steh'n zwey alte Thürme
Hoch unter Schutt und Graus,
Der Berggeist und die Stürme,
Die zieh'n da ein und aus.

Durch den zerfall' nen Bogen
Stieg ich als Knab' hinan;
Die wilden Blumen zogen
Mich wunderbarlich an.

Da trat aus dem Gemäuer
Ein zartes Jungfräulein,
Sie sah im weißen Schleyer
Fast wie ein Engel drein.

Sie trug aus grünen Weiden
Ein Körblein in der Hand,
Sie pflückte Moos und Heiden,
Und was sie sonst noch fand.

Da rief es aus dem Boden-
Sie wurde lilienbleich,
Und sprach: Nur still, ihr Todten,
Ich komm', ich komme gleich.

Die weiße Heiderose,
Die steckte sie in's Haar,
Die Dolden und die Moose
Both sie mir freundlich dar.

Mich überlief ein Schauer,
Ich wurde heiß und kalt,
Schnell, an der Efeumauer,
Verschwand ietzt die Gestalt.

Das Bild ist mir geblieben,
Noch seh' ich sie vor mir!
Ach, könnt' ein Schatten lieben,

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