2017-02-20

Gedichte v. Aloys Schreiber: Heimweh (41)



Heimweh

Ich kenn' ein Land,
Wo milde Lüfte wehen,
Wo Heldenmahle stehen,
Ich kenn' ein schönes Land,
Und meinem Herzen ist es nah' verwandt.

Ich kenn' ein Thal,
Da wohnt in einer armer Hütte
Die alte, fromme Sitte;
Ich sah in diesem Thal,
Im Mutterarm, den ersten Sonnenstrahl.

Ach, könnt' ich dort
In jene Berge fliehen,
Wo graue Wolken ziehen,
Ihr Tannenberge dort;
Könnt' ich zu euch im Flug des Adlers fort!

Am Felsenrand,
Da schaut, auf grünen Matten,
Ein Dach aus Wallnußschatten;
Im Haus am Felsenrand,
Da ist der Platz, wo meine Wiege stand.

Die Bäume hier,
Ich weiß sie wohl zu nennen,
Sie müßen mich noch kennen,
Die Blüthenbäume hier,
Sie wuchsen jung und fröhlich auf mit mir.

Am Hügelgrab
Gefall'ner Alemannen,
Im Schauer schwarzer Tannen,
Am eingesunk' nen Grab,
Da singt der Hirt, gelehnt auf seinen Stab.

Sein Horn erklingt,
Und weckt der Heimath Sehnen,
Und weckt mir Schmerz und Thränen!
Des Hirten Horn erklingt-
Wer ist's, wer ist's, der mich hinüber bringt!

Der Liebe Weh'
Läßt uns noch wohl gesunden,
Doch ward kein Kraut gefunden,
Kein's für der Heimath Weh',
Drum, armes Herz, schwelg', dulde und vergeh'!

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