20.02.2017

Gedichte v. Aloys Schreiber: Jägers Morgenlied (43)



Jägers Morgenlied

Heraus, heraus, schon kräht der Hahn,
Laß keinen Traum dich necken,
Heraus, der wackre Jägersmann
Muß wohl die Lerche wecken.

Der Morgen kommt, schon wird es dort
Von seiner Fackel helle,
Jetzt eilt das Reh vom Lager fort
In's Thal zur Wiesenquelle;

Und alles Leben, froh und jung,
Regt sich in Busch und Zweigen,
Das Glück will in der Dämmerung
Sich gern uns günstig zeigen.

Der Stern, der in dem Abendgrau
Der Liebe freundlich leuchtet,
Er führt den Waidmann, wenn der Thau
Die Locken ihm befeuchtet.

Des Jägers Heimath ist der Forst,
Da haust kein Menschenquäler;
Frey wie der Aar im Felsenhorst
Schweift er durch Berg' und Thäler.

In frischer Luft, in Waldesgrün
Und unter Gottes Himmel,
Da sieht er fern die Stirne zieh'n
Ihn schreckt kein Weltgetümmel.

Er siechet nicht am Stubenqualm,
Sein Herz schrumpft nicht zusammen,
Gott ehret er im grünen Halm
Und in des Wetters Flammen.

Wohl ist der Wald sein liebstes Haus,
Wo Ruh' und Kühle wehen,
Doch sendet er nicht Tod nur aus,
Er weiß ihm auch zu stehen;

Und wenn das Vaterland gebeut
Zur großen Todesweihe,
Der Jäger, der ist niemahls weit,

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