21.02.2017

Gedichte v. Aloys Schreiber: Lied einer Pilgerin (46)



Lied einer Pilgerinn

Ich will nichts von der Erde,
Im Himmel blüht mein Glück!
Was sie uns gibt, das fordert
Sie bald und streng zurück.

Ihr Blümlein, heut so golden,
Und morgen welk und fahl,
Ihr Bäume, grün und blühend,
Und morgen nackt und kahl!

Soll ich Vergänglich's lieben,
Wenn es das Herz mir bricht?
Soll ich die Rose suchen,
Die mich mit Dornen sticht?

Es quillt in mir ein Sehnen,
Es treibt mich nah' und fern,
Geweckt vom blauen Himmel,
Geweckt vom Abendstern.

O Land der Kinderträume,
Wo Gottes Friede weht,
Wo keine Schlangen lauschen,
Wenn man auf Blumen geht.

Wo nicht in Asche sinket,
Wornach mein Busen schlägt,
Die Erd' nicht ihre Kinder
Dem Tod entgegen trägt!

O möcht' ich bald dich finden!
O Leben, laß mich los!
Ihr Engel, leiht mir Flügel
Hin in der Heimath Schooß.

Will nicht die Brust mir springen,
Fällt nicht die Kette ab?
Kann nicht der Geist von hinnen
Auch ohne Tod und Grab?

Ich seh' die Engel winken,
Sie rufen Schwester mir!
Hinauf, hinauf! Verwesung,
Den Leib, den lass' ich dir.

Ich höre schon die Lieder
Der Seligen am Thron,
Ich seh' in ihren Händen
Den Kranz der Myrthen schon.

Wer springt des Kerkers Riegel,
Wer führt dem Licht mich zu?
Ha, Tod! scheu' st du die Liebe,
Die stärker ist, als du?

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