21.02.2017

Gedichte v. Aloys Schreiber: Nonnenklage (47)



Nonnenklage

Tausend Frühlingsblumen stehen
Froh im gold'nen Abendschein,
Zu den Blumen möcht' ich gehen,
Möchte selbst ein Blümlein seyn.

Tausend Vög'lein hör' ich singen,
Wär' ich in dem Walde doch,
Könnt' ich springen, könnt' ich singen
Wie in meiner Kindheit noch.

Alles hat man mir genommen,
Nahmen, Spiel und Lust und Tanz,
Und als Braut hab' ich bekommen
Pfalterbuch und Rosenkranz.

Meine Locken abgeschoren,
Traurig mein Gewand und rauh,
Und den Eid hab' ich geschworen,
Und der Himmel ist so blau.

Läg' ich Arme doch erkaltet,
Ferne von dem schönen Tag,
Meine Hände starr gefaltet,
Still das Herz und ohne Schlag.

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