20.02.2017

Gedichte v. Aloys Schreiber: Frühlingstrauer (40)



Frühlingstrauer

Bey dem Klange süßer Lieder,
Holde Blumen, kehrt ihr wieder
Zu dem Fest des Mayen her,
Aber Eine kommt nicht mehr.

Und wie diese zarte Eine
Schimmert von euch allen keine,
Darum bringt die Frühlingsflur
Sehnen mir und Thränen nur.

Traurig muß ich aufwärts schauen,
Wo auf Paradiesesauen,
In das heimathliche Land,
Sie verpflanzt des Gärtners Hand.

Herrlicher nun blüht sie oben,
Wo nicht Winterstürme toben,
Wo das Zarte nicht vergeht,
Weil nur Lebensodem weht.

Und ich muß hier nieden wallen,
Muß die Blätter sehen fallen,
Und die schöne Mayenzeit
Mahnt mich an Vergänglichkeit.

Ach, wer will mir Flügel geben,
In das lichte Blau zu schweben,
Höher als die Wolken ziehn,
In den Engelgarten hin!

Wo sich Irdisches verkläret,
Wo die Treue, rein bewähret,
In des Lebens Eis und Gluth,
An dem Herzen Gottes ruht!

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