01.02.2017

Gedichte v. W. Michel: Die Seele (12)



Die Seele

Ich bin von reichem Leib umbaut.
Mit Sinnen bin ich rings gewandet,
Um die ein dunkles Meer erbrandet.
Das sieht so süss. Das tönt so laut.

Ich muss es dulden, dass mein Ohr
Zum Klang macht die bewegte Luft.
Die Welt ist finster. Doch der Tor,
Das Auge, füllt mit Glanz die Gruft.

Aus Weltraums Dunkel schwarz und tief
Höhlt es das Blau, das flutend wallt.
Das Ohr spricht ewig: Horch! Wer rief?
Das Auge spricht: Gestalt! Gestalt!

Doch tief in diesem Lichthaus trauert
Uralte Blindheit, die betört
Vor jedem Bild erschrickt und schauert,
Das ihre fromme Nacht verstört.

Sie ist des Todes Keim und Samen.
Nacht ist sie, die den Tag beweint,
Leid ohne Wort, Scham ohne Namen
Um all die Schmach, die tönt und scheint.

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