01.02.2017

Gedichte v. W. Michel: Die Waldmühle (14)



Die Waldmühle

Oft stillte Sehnsucht meine Klagen.
Sie hub mich hoch aus manchem Leid,
Und führte mich an grossen Tagen
Tief in vergrämte Einsamkeit.

Ich sah und hörte Wälder viel.
Die Wipfel tosten wie ein Meer
Und rauschten wie ein Saitenspiel
Im Heimatlied der Wiederkehr.

Und wie in stillem Toben hing
Ein Habicht fern in blauen Höhen
Und liess in seinem stummen Ring
Das Leben gross an sich geschehen.

Doch ungezähmt im dunklen Grunde
Scholl einer Mühle müdes Rad,
Als sehnt' es sich nach einer Stunde,
Als dächte es auf eine Tat.

Das war ein Brausen und ein Wühlen
Tief in des Mühlbachs kühlem Lauf,
Und funkelnd von den Wasserspielen
Beronnen stieg es triefend auf.

Es schoss die Flut aus hohlen Felgen,
Und also ward ein dumpfes Lied:
Ich muss in der Verwirrung schwelgen,
Die taumelnd mich ins Kühle zieht.

Doch rauscht mir längst geheime Kunde
Tief unter diesem Brausen her:
Einst kommt das Glück, einst kommt die Stunde
Und bricht die Speichen und das Wehr ....

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