2017-02-01

Gedichte v. W. Michel: Einladung zum Schlaf (16)



  Einladung zum Schlaf

Alle Dinge dieser Erde
Stehn in abendlichem Licht,
Und mit holder Trostgebärde
Steht die Trauer auf und spricht:

Sieh, es muss der Regen fallen,
Sinken muss der müde Tag.
Leben tut ja mit euch allen,
Was es muss und was es mag.

So entgürte deine Kräfte,
Gib dich auf und sei gesellt,
Und aus schwülem Drang der Säfte
Wachse an das Herz der Welt.

Bist doch nimmermehr betrogen,
Stehst nicht in der Nacht allein.
Nah und fern ist dir gewogen,
Näh' und Ferne, sie sind dein.

Und des Lebens Wellen gehen
Tief mit deiner Flut vereint.
Schlafen heisst nur auferstehen,
Schlafen heisst hinübergehen,
Wo dir alles lind und freund.

Horch ! Die Nacht wird reif und stille.
Sieh! Die ersten Träume weh'n.
Aus der Armut in die Fülle —
Willst du noch nicht schlafen gehn?

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