2017-02-02

Gedichte v. W. Michel: Erinnerung (19)



Erinnerung

O Jugendtal! Du kühles Tal!
Der Wald so dicht, der Weg so schmal!
Ein Fiedler, der Tod, vertrieb mir die Zeit.
Die Liebe aber war lauter Leid.

O Jugendzeit ! Du arge Zeit!
Zu fern den Tränen, zu fremd dem Leid!
Du rauscht im Sturm, der mich umtost.
Der Sturm, der bringt mir schlimmen Trost:

„Halt aus! Halt aus! Denk nicht daran!
Du warst ein Knabe, bist ein Mann!
Süss ist der Traum, das Leben hart.
Wachse, wachse! Heil dem, was ward !"

Ich höre den Sturm, ich weiss sein Wort.
Wie Meereswellen trägt er mich fort.
Es wird die Erde so fremd und bekannt,
Da schweb' ich, ein Mann, überm Jugendland.

Da steht überm Wald ein grauer Turm,
In Fels gesenkt, umwühlt vom Sturm.
Draus fliegt ein schwarzer Rab' hervor.
Der Rabe Munin umkrächzt mein Ohr . . .

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