2017-02-03

Gedichte v. W. Michel: Leben (29)



  Leben

Kein Kelch soll mir vorübergehen!
Ich trank sie alle bis zum Grund.
Nie zitterte mit bleichem Flehen
Am goldnen Rand der blasse Mund.

Da lag ich wie an Weibes Brüsten
Und schrie nach vollem Schwall des Pan.
Denn meiner Seele tiefen Lüsten
Hat nie ein Kelch genug getan.

Gross steh' ich einst im Abendrote.
Da glüht die Welt mit trunknem Schein,
Da bringt der letzte blasse Bote
Den letzten Kelch, den besten Wein.

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