03.02.2017

Gedichte v. W. Michel: Liebe (31)



  Liebe

Manchmal muss ich heimlich beben,
Manchmal trag ich stilles Grauen,
Hebt sich dein vertrautes Leben
Kräftig, geisterhaft und leise
Hoch aus meines Lebens Kreise,
Fremd und ferne anzuschauen.

Hab' ich dich nicht fest in mir verschlossen,
Mich so tief in dir verirrt,
Mich so inniglich in dich ergossen,
Dass kein Gott uns mehr entwirrt?
Liebe, haben wir uns nicht vertauscht,
Eins ums andre hingegeben?
Bin ich nicht von deinem süssen Leben
Wie von starkem Wein berauscht?

Aber dunkel muss ich stehen,
Dich in fremdem Lichte sehen,
Herzlich Nahe, mir vor Gott verwandt.
Deine Wangen will ich zärtlich streichen,
Deine Locken such' ich mit der Hand,
Und ich finde Dinge, die entweichen,
Meiner Hand nicht, aber meinem Sinn.
Ach, wie soll ich dieses Wunder fassen?
Qual und Süsse machen mich erblassen,

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de