2017-02-04

Gedichte v. w.Michel: Sonntag (41)




Sonntag

Schwarze Wipfel, dunkle Gründe,
Tief im Tal ein leiser Bach.
Ueberm weiten Kahlhieb leuchtet
Hell der fahle Abendhimmel.
Dumpfes Raunen in der Ferne,
Helles Rascheln in der Nähe,
Grosse Orgeltöne schwimmen
Ueber Wäldereinsamkeiten
Fern und schwer —
da stirbt der Tag.

Wille komme aus der Weite,
Kräfte dringen aus der Erde;
Dumpfes Leben borgt mein Leib
Von dem dunklen Geist der Tiefe.
Ferne Vogelseufzer brechen
Kaum den Bann des braunen Schosses,
Und ein längst verwestes Leid
Blüht in mir mit bunten Blumen.
Dunkle Augen werden wach,
Und sie schauen in den Abend
Gross und stille, bis der Blick
Unter langen Wimpern sinkt.

Herbe Kühle steigt in Nebeln
Weiss vom Tal. Zum Bild erstarrt
Atm' ich kaum, nur leise zittert
Meine Hand am Schaft der Büchse.

  Ueberm Grunde drüben lauert
Noch ein Mensch im dunklen Grase.
Seiner Augen Weisse schimmert.
Am gespannten Hahne bebt
Seine Hand.
Und ich kenne diesen Menschen nicht.

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