04.02.2017

Gedichte v. W.Michel: Totenwächter (42)




Totenwächter

Und bist du nun verschollen ganz,
Du lieber, lieber Klang.
Weit liegt die Welt, und du gehst weit
Durchs Fenster in die Heimlichkeit,
Viel Ewigkeiten lang.

Und sonnenklare Linien gehn
Um deine müde Brust.
Und totenstille Linien ziehn
Wie kranke Walzermelodien
Um deine liebe Brust.

Darin erklang dein Weibesherz
Gleich einem Kelch im Schrein.
Das hat nun ausgeklungen,
Und du musst stille sein.

Ganz stille wie der Stein am Bach
Und wie der Baum im Wald.
So stille wie der Drach' am Dach
Und wie der Schnee so kalt.

Ich wollte einst dein Freier sein
Vor dieser bösen Nacht,
Und muss nun fast ein Geier sein,
Der deinen Leib bewacht.

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