2017-02-04

Gedichte v. W.Michel: Wahrheit (45)





Wahrheit

Der Abend kam, die Sehnsucht kam,
Es kam das buntgeschmückte Leben
Und rüttelte an Trotz und Gram
Mit vielem lautem Weltbegeben.

Ein Glück zerbrach, ein Turm zerfiel,
Gestorbne fuhren über Feld
Und brandeten wie Flutgewühl
Mit Blut und Schmerz um meine Welt.

Ich aber stand und weinte nicht
Und sah das grosse Leid geschehen,
Wie wenn wer fremde Zungen spricht,
Dass kaum die Augen sich verstehen.

Ich hatte alle meine Glut
Verschenkt an ein erdachtes Ding,
Ein schwankes Blatt, wo traumgemut
Sehnsucht in zagen Linien ging.

Denn Märchen sind so wahr wie Blut.

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