2017-02-11

Gedichte von A.Friedmann: Anklage (3)



Anklage

Sing', Muse, mir ein Thränenlied,
Wie's durch die nächt' ge Haide zieht;
In meinem Herzen auch ist's Nacht,
Das hat das Leben so gemacht!

Die Thränen rinnen still und leis
Und brennen auf den Wangen heiß,
Und jede Thräne ruft mir zu:
Verlassen, und allein bist Du!

Ich bin allein! So Tag und Nacht,
O Muse, das hast Du gemacht.
Ich nannte Dich schon früh mein Weib,
Und sprach zu keinem andern: „Bleib'!“

Wohl hielt' ich gar das Glück am Saum,
Und ließ es fliehen, weil im Traum
O Muse, Du mich riefst zum Dienst,
Und allersetzend mir erscheinst!

Und lauschte mir der Orient,
Und hörte mich der Occident,
Erkläng' von Nord nach Süd mein Wort-
Die schönste Zeit ging einsam fort!

Es ist nun einmal so bestellt;
Der Beifall auch der ganzen Welt,
Der schwanken kann hinab, hinauf-
Wiegt Liebe treuen Weib's nicht auf!

Ich habe keinen eig'nen Herd,
Kein süßes Weib ward mir bescheert;
Kein liebend Herz, kein Kind ist mein,
Ich bin allein, ich bin allein!-

Das hast in Deiner Macht
O Muse, Du nicht gut gemacht-
Und durch die nächt'ge Haide zieht

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