2017-02-11

Gedichte von A.Friedmann: Der Sänger (6)



Der Sänger

Wenn die Wolke sich verzogen,
Denkt der Wandrer, fremd im Land,
Doch noch an den Regenbogen,
Der jetzt glückverheißend stand!

Wenn die Leuchte längst zertrümmert,
Denkt das Herz im Dunklen nicht,
An das Licht, das einst geschimmert,
Ach, an ein verloschnes Licht?

Wenn die Frühlingsblätter modernd
Nun im Herbst als welkes Laub,
Kann Erinnern glühend lodern:
„Jugendähre, warst nicht taub!“

Wenn sich längst auch Lippen schlossen,
Zu den letzten, ew' gen Schluß,
Denk' des Glücks, dass Du genossen,
Einst in Wechsel-Wort und Kuss!

Wenn auch nur ein wilder Schmerz ist,
Was eins Glück dem Herzen war-
Einz' ger Trost für' s wehe Herz ist,
Daß es frei von Schmerzen war!

Wenn die Laute auch zerschmettert,
Die so süßen Wohllaut sang,
Wenn der Wald auch sturmdurchwettert,
Drin einst Finkenruf erklang,

Immer klingt das Lied vom Schönen
Jener Laute dir ans Ohr;
Träumend zauberst du das Tönen
Jenes Waldrufs dir hervor.

Und so bleibt von allen Streben,
Wenn den Sänger Ihr begrabt,
Etwas übrig für das Leben,
D' ran Ihr lang zu zehren habt!

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