11.02.2017

Gedichte von A.Friedmann: Der Sonnenstrahl (7)



Der Sonnenstrahl

Der Sonnenstrahl findet den Weg zum Palast;
Er hält auch vorm Eingang der Hütte nicht Rast;
Gern streitet er den Mädchenkopf, blumenumrankt,
Der wie eine Blume am Fenstersims schwankt.

Gern küßt er den Kelchrand vom heiligen Gral,
Auch schleicht er zur Armut, und streicht durchs Spital.
Er fällt in die Pfütze, und-kläret sie fast.

Er wandelt zum Grabe wie zur Kirche und Rose.

Doch was er beleuchtet und was er bestrahlt,
Und wenn er die Schande selbst golden bemalt-
Ein Sonnenstrahl bleibt er, ein himmlischer Gast.

Und so ist der Dichter, wohin er auch geht,
Ein Sonnenstrahl immer der echte Poet.
Im Schildern verklärt er, sühnt, was er erfaßt;
Er ist ein veredelnder, himmlischer Gast.

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