13.02.2017

Gedichte von A.Friedmann: Die Freunde (24)




Die Freunde

Zwei Freunde gingen einst über Land
In Thüringens grünem Gefilde,
Von Berg zu Berg zog der Fluss ein Band
Im lieblichen Landschaftsbilde.

Die Hügel lagen in glänzendem Duft
Und golden wogten die Aehren,
Und über den Tannen lag harzige Luft,
Durchflüstert von alten Mären.

Der eine Jüngling war Martin genannt,
Und sprach zu Alexis, dem andern:
„Wohl nimmer so hab' ich die Gottheit erkannt,
Als eben im Freien, beim Wandern!

Das Leben ist kurz, mir ahnet, der Tod,
Er wird in der Jugend mich rufen;
Doch drängt mich ein göttliches Machtgebot
Hinan des Geistes Stufen!

Ich möchte nicht sterben, bis nicht ich erfüllt
Ein Großes, nachwirkend im Leben!
Des Menschen Haupt ist vom Wahne verhüllt-
Mehr Licht, mehr Licht möcht' ich geben!

Hochfliegende Pläne, sie weben im Hirn,
Und Rom erscheint mir im Traume;
Dort sitzet ein Mann mit eherner Stirn,
Voller Weisheit- gewoben vom Flaume!

Den will ich-Da fällt Alexius ein:-
-Lass, Martin, Dein Träumen und Weben,
Und stürzte Dich froh ins Leben hinein,
Es lebt sich nur einmal, das Leben!

Ich liebe die Weiber, den Wein, den Gesang,
Und will vom Sterben nichts hören!
Ich reife mich aus, und es soll mich der Drang
Nach Ruhm und Taten nicht stören!

Still rolle mein Fluss und schäume nicht auf,
Ich will die Himmel nicht stürmen!….
-Im Norden zog finster ein Wetter herauf,
Gewölk hub an, sich zu türmen.

Sie schritten dahin. Da grollt es von fern,
Um Blitze beginnen zu zucken.-
Nachts wird's. Es leuchtet kein tröstender Stern
Durch des Himmels geschlossene Luken.

Kein Tropfen fällt. Entfesselt erbraust
Der Sturm, der wilde Jäger;
Sein Donnerrohr kracht, er schwingt in der Faust
Dem Blitz, den tödlichen Schläger.

Alexius flüchtet zum schirmenden Baum,
Den fetzt ein Strahl in Flammen-
Alexius fällt, und der gold' ne Traum
Vom Leben sinkt jäh zusammen.

Um Martin fast den Erschlagnen wild
Um preßt ihn in die Arme;
Da liegt der Hoffnung gestürztes Bild,
Kein Gott ist, der mild sich erbarme!

Ein junges Leben, an Sehnen so reich,
So reich an Liebe und Wissen,
Da liegt es, zerstört und todesbleich,
Die Freundschaft ist mitten durchrißen!

Und der Martin findet kein einziges Wort,
Er will an der Gottheit verzagen;
Er trägt den Freund durch den Regen fort,
Und hat ihn zur Mutter getragen!

Er brütet und sinnt drei Tage lang
Und nimmt nicht Trank noch Speise!
Der eben so froh das Leben besang,
Wie kam er zur Todesreise?

Wohin sind die Pläne, gemeinschaftlich
In traulichen Stunden erwogen?
Ein Leben, so voll jetzt, verstrich, entwich,
Dahin-entzogen, verflogen!

Dann rafft er sich auf: „Des Herren Weg
Ist dunkel, ausklügelt ihn Keiner!
So schreit' ich allein den schwindligen Steg,
Statt Zweien kämpfet nur Einer!

Er stellt sich zum Streit mit St. Petri Sitz,
Mit der Kirche, der alternden Mutter,
Und sendet selber den hellenden Blitz

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de