2017-02-13

Gedichte von A.Friedmann: Die Sorge (25)



Die Sorge

Die Sonne sank.
Verlassen, zieht den Felsensteg.
Es macht ein Weib mit ihm gemeinsam
In Grau gehüllt, denselben Weg.--

Ins Heidekraut den Stab, die Mappe!-
Zu ihnen sinkt der müde Mann.
Des wilden Jägers scheuer Rappe
Zieht in der Wolke übern Tann.

„Umsonst, umsonst die Qual, das Ringen! „
So klingt sein Klagelied an den Grat-
„ Es krönt das Streben kein Gelingen,
Und ach! umsonst ist jede That.-

Einst zog ich aus gen Rom, Neapel,
Die Brust von Sehnen hochgeschwellt,
Mein Künstlerschiff ließ ich vom Stapel,
Umsegeln sollt' es diese Welt.

Mein Schüler strebte ungezügelt
In's Ruhmesreich der Künstlerschaft:
So ward einst Francia überflügelt
Von Rafael, der jüngern Kraft.

Kein liebend Weib hielt ich umschlungen;
Ich stieß ein treues Herz zurück,
Ich hab' kein Kind in Schlaf gesungen,
Ich hielt den Ruhm allein für Glück.

Ich steh' allein wie ein Askete,
Ein Mönch, der allem Glück entsagt,
Und der umsonst nach einer Lehte
Das Leben vor dem Tode fragt.

Ich nannt' ein Götterlos auf Erden
Den Kranz, der uns die Menscheit flicht;
Der Erste Aller wollt' ich werden,
Doch ach, der erste bin ich nicht.--

Das graue Weib in finstern Falten
Saß noch bei ihm im Sternenschein
Und ihre Antwort Laute halten:
„Du wirst auch nicht der Letzte sein.

Der letzte nicht, der Erdengüter
Tief unter stolzen Lorbeer stellt,
Der, Priester nicht, nur Tempelhüter,
Sich träumt in eine Götterwelt.

Der letzte nicht, der Kunstbegeist' rung
Voreilig nimmt für eig' ne Kraft,
Dem nie gelingt des Stoffs Bemeistrung,
Und der sich nur Enttäuschung schafft!
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Sofort ist das Weib.-Die Welt umkreist sie
So Tag für Tag, wie Nacht für Nacht.
Es hat von ihr-Frau Sorge heißt sie-
Der Schlaf dem Wandrer frei gemacht.

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