2017-02-12

Gedichte von A.Friedmann: Durchs Leben (10)



Durch' s Leben

Durch' s Leben müssen wir dahin,
Da ist es nun, und wir sind drin!
Es stößt uns fort mit rauher Hand
In unwirthbares Wüstenland,
Nicht, wie der Hagar, ist gegeben
Uns Ismael, mit dem wir hoffend streben
Durch's Leben!

Und blicken wir dahin zurück,
Wo wir geglaubt der Jugend Glück-
Wir müssen schaudernd uns gestehn,
Dass wir das Glück nicht recht gesehn,
Weil Viele, mit uns ausgegangen,
Nicht mit uns an ein hehres Ziel gelangen,
Im Leben!

Der Eine starb im Morgenroth,
Der Andre gab sich selbst den Tod,
Ein frührer Freund vergönnt uns nicht
Die Luftfahrt nach dem Sonnenlicht,
Die Mißgunst will uns prophezeien,
Dass wir nur sind, so lange wir eben seien-
Im Leben!

Die Liebsten sind vielleicht nicht mehr,
Es bringt kein Gott sie wieder her,
Und denken wir an ihrer Huld,
So mahnt uns hart die eig'ne Schuld,
Daß wir nicht allzu liebreich waren,
Eh' wir geweint, geschluchzt an ihrem Bahren!-
O Leben!-

Doch wer geliebt ward, liebte, schuf,
Erfüllte menschlichen Beruf;
Kein Vogel, groß nun oder klein,
Fliegt höher, als sein eign' es Sein.-
Am Faden, den uns Parzen weben,
Quält uns des Schicksals Kinderhand, zu schweben
Durch' s Leben!-

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de