12.02.2017

Gedichte von A.Friedmann: Seegeister (17)



Seegeister

Auf der Begeisterung wogenden Meeren
Wiegt sich der Dichter und sinnet und träumt,
Lässt sich von Sagen der Vorwelt belehren,
Während die Welle des Lebens ihm schäumt.

Her von des Altertums Märchengestaden
Weht ihm die Brise den herrlichsten Hauch;
Ozeaniden auf welligen Pfaden
Nahn, und Sirenen, die singenden, auch.

Amphitrites sanftschaukelnden Wagen
Bringen die Wogen, vom Gotte berührt,
Die einst Europa zum Ufer getragen,
Als der olympische Stier sie verführt.

Jene Welle begrub den Leander,
Löschte sein Feuer, voll schäumenden Hohns,
Diese trug rettend zu Dir, Periander,
Heimwärts Arion, den Meister des Tons.

Trotzig erbrauset, sich bäumend, zerspalten,
Die einst Odysseus verzweifelnd geteilt;
Ruhig daneben mit sanfterem Walten,
Die einst die Schmerzen der Sappho geheilt.

Finster einher rauscht die dräuende Welle 
Der sich das Blut des Centauren vermält;
Tückisch, smaragden, spielt dort auch die helle,
In der sich Ikarus sterbend gequält.

Aber den flüchtigen Botinnen allen
Reichet der Dichter sein Herz als Pocal-
Eine Perle lässt jegliche fallen,
Immer vermehrt sich die kostbare Zahl.

Bis er befriedigt sein Fahrzeug nun wendet,
Reihend die Perlen zum schönsten Gesang;
Bis er das Halsband der Dichtung vollendet
Und nun den Nacken der Liebsten es schlang!

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