2017-02-13

Gedichte von A.Friedmann: Sehnsucht (18)



Sehnsucht

Sehnsucht, ewiges Entbehren,
Die du stets mein Herz erfüllt,
Sehnsucht, ewiges Begehren,
Die mich immer Träumer schiltst.

Sag, wer wird mich einst belehren,
Wie ich deiner Meister sei?
Wie ich, die mich fast verzehren,
Herr der Wandergeister sei?

Was ich sehne und erstrebe,
Ach, ist nicht Genuß und Glück!
Sag, wie kommt's doch, dass ich lebe
Halb nach vorwärts, halb zurück?

Stets dem Augenblick entreißt mich,
Sehnsucht, deine Allgewalt,
Und dein lockend Lied umkreist mich,
Das wie „Gestern“-„Morgen“ schallt.

Aber war denn Gestern glücklich,
Wird ein glücklich Morgen mein?
Und war Heute mir erquicklich-
„Heut „wird morgen „Gestern“ sein!

Giebt es denn ein Glück, nach dem du
Immer in die Ferne schaust,
Dem, erwartend, so bequem du
Deine Hoffnungsschlösser baust?

Giebt es denn ein Glück? Und ist es,
Ist es, Herz, denn auch für mich?-
Eins ist nötig, du vergißt es-
Thu's, dann sieht die Sehnsucht dich!

Herz, mein Herz, oh laß dir raten,
Und befolge dann den Rat:
„Säe deines Lebens Saaten-
„Feind der Sehnsucht ist die That!

„Glaube nicht des Glückes Tauben
„Fliegen selbst ihr in den Schlag:
„Solche Tauben muss man rauben,
„Wo man kann und wie man mag!

„Mächtig selbst den Weg dir bahne
„An ein stolzgewolltes Ziel!-
„Ist am End' ihm das Gethane
„Halb genaht-so ist's schon viel!“

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