2017-02-13

Gedichte von A.Friedmann: Vertrauen (30)



Vertrauen

Wohin Dein Auge nur mag schauen,
Dein leiblich und Dein geistig Sehn,
Erkennst Du, dass auf das Vertrauen
Gegründet ist das Weltbestehn.

Der Same, sieh, vertraut der Erde,
Und sein Vertrauen ist der Keim;
Bis daß er Lichtbewohner werde,
Ist Finsternis sein erstes Heim.

Der Stengel, er vertraut dem Lichte,
Dem Strahl, der höhenwärts ihn zieht;
Nicht weiß die Blüte vom Verzichte,
Die sich zur Frucht gestalten sieht.

Es traut die Schwalbe ihrem Süden,
Wenn sie verläßt der Heimat Nest,
Den Schwingen traut sie, den so müden,
Und traut dem Neste fern im West.

Es traut der Strand dem Meer mit Wonne,
Das nach der Ebbe sein gedenkt;
Und unsre Erde ihrer Sonne,
Dass diese Mutter treu sie lenkt.

Es traut der See den Alpenfirnen,
Daß sie mit Feuchte ihn versehn;
Es traut der Aether den Gestirnen,
Die ihre Bahnen durch ihn gehn.

Es traut sich ehernen Gesetzen
Das Wesen an in jedem Fall,
Und gäb' ist irgend ein Verletzen-
So wär's geschehen um das All.

Nur einen Ding ist nicht zu trauen,
Bald weich wie Wachs, bald hart wie Erz;
Auf Eins kannst Du nicht sicher bauen:
Aufs wandelbare Menschenherz!

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