2017-02-23

Gedichte von Carl Busse: Der Hochzeitstag-1 (12)




Der Hochzeitstag

I.

Wie grün im Haar der Myrthenkranz,
Wie leuchtet der Schleier im weißen Glanz!

Die junge Braut hat an morgen gedacht,
Ihr Herz ist selig, ihr Auge lacht.
Sie blickt nach draußen und träumt dabei,
Das aller Segen und Sonne sei.

Und draußen die Flur so kahl, so weiß,
In klingender Kälte kracht das Eis,
Im Nordsturm lauert der Tod allein
An jeden Weg und Meilenstein,
Gell kreischen die Krähen, und sonst kein Laut-
Doch drinnen jubelt die selige Braut.

Ihr werden vor Glück fast die Augen naß,
Sie lächelt und spricht, weiß selbst nicht, was:
„Der Himmel ist grau, die Wolken gehn,
Kein bischen Sonne läßt sich sehn,
Und keine Blumen, kein Lerchenschlag,
Und doch ist heute mein Hochzeitstag. „




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