2017-02-26

Gedichte von Carl Busse: In schwerer Stunde (40)




In schwerer Stunde

Und wieder ist ein Tag vergangen
Und trüb' und fröstelnd naht die Nacht,
Ich hab' bis jetzt mit bleichen Wangen
Am Grabe meines Glücks gewacht.
Die letzte Hoffnung sank in Scherben,
Das letzte Licht will untergehn,
So geh' auch du, mein Herz, zu sterben,
Der Herbstwind pfeift,-auf Wiedersehn!

Auf Wiedersehn-das klingt so golden
Wie Osterklang im Frühlingsrund,
Das paßt zu weißen Blütendolden,
Dazu gehört ein Mädchenmund.
Das tönt so hoffnungsvoll und mutig,
Du bleicher Mann, du sprich' das nicht,
Du beiß' dir nur die Lippen blutig
Und sing' noch einmal ein Gedicht.

Kein Schmerzensschrei und keine Thräne,
Sei stolz, wie du es immer warst,
Verblut' die still und preß die Zähne,
Das sterbend du noch Würde wahrst.
Bald hast du ewiges Vergessen,
Auch statt des Lorbeers nur Cypressen-
Sei still, sie sind ja beide kühl.

Zu kling' denn aus, mein junges Leben,
Die Waffe winkt schon von der Wand,
Die wird dir Trost und Frieden geben,
Und zittern wirst du nicht, oh Hand.
Ich weiß, dass manche weinen werden,
Und mancher auch, der mir vergiebt,
Still meiner denkt, wenn einst auf Erden
Die Rosen wieder blühen werden-
Denn Rosen hab ich sehr geliebt.



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