04.02.2017

GEDICHTE VON W. MICHEL: SCHWÜLE NACHT (37)



Schwüle Nacht

Aus den Wolken, aus der Ferne,
Von den Bergen kam die Nacht.
Einsam leuchtet die Laterne,
Die das stille Haus bewacht.

Diebe schleichen um die Türen,
Listig in die Nacht gebückt.
Mörder gehen um und spüren;
Wahllos ist ihr Dolch gezückt.

Und die Liebe kommt und bittet
„Liebste, hast du mir gewacht?"
Alles ist von Nacht zerrüttet,
Und der Erde Geist verschüttet
Tausend Leben in die Nacht.

Spinnen kriechen, Mäuse jagen,
Und ein Rauschen tost und droht.
Glocken heben aus und schlagen:
„Nimmer kommt das Morgenrot!

Allzutief in Nacht gebettet,
Wird das Leben jetzt erwürgt.
Nur den Maulwurf drunten rettet
Gott, der sich im Himmel birgt."

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