2017-02-04

GEDICHTE VON W. MICHEL: SOMMERWIND (38)



Sommerwind

Saust der Sturm durchs Sommerland
Ueber Wiesen fahl, verbrannt,
Ueber Strassen schwarz und glatt,
Die die Stadt reckt in die Ferne.
Meiner Jugend trübe Sterne
Leuchten droben zag und matt.
Und Gestalten seh' ich schweben,
Winkend mit verwunsch'nem Blick -
Fahre wohl im strengen Leben,
Fahre wohl, mein junges Glück!

Schärfer schneiden alle Leiden,
Ernster bindet jede Lust,
Und in Eisen muss ich kleiden
Diese leichtbewegte Brust.
Was die strengen Tage geben,
Fordern morgen sie zurück —
Fahre wohl im wilden Leben,
Fahre wohl, mein sanftes Glück!

Wind verweht die Wolkenschwärme
Und zerbläst den bunten Traum.
Sonne, Sonne, komm und wärme
Diesen wolkenlosen Raum!
Nebel, die sich dampfend heben,
Sauge auf mit heissem Blick —
Fahre wohl im starken Leben,

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