04.02.2017

Gedichte von Wilhelm Michel: Sonntag (40)



Sonntag

O sag, was sollen denn die Glocken
In dieser Zeit voll Not und Schmach?

Ein bleiches Antlitz, ohne Klage,
Liegt nun der Himmel überm Land.
Nun' halt auch ich vom Kampf der Tage
Ein armes Glück in meiner Hand.

Ein Glockenton aus lichter Weite . . .
Im Birkenlaube spielt der Wind,
Ein Vogel singt auf grüner Heide,
Auf grüner Heide weint ein Kind,

Und weint so weh und will's nicht lassen
Und schluchzt gleich einem starken Mann,
Der unter Knirschen, Trotz und Hassen
Sein Lieben doch nicht enden kann.

Und immer tönen noch die Glocken,
Hinwandelnd durch den stillen Tag.

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