2017-03-13

C.Busse-Vagabunden: Bismarcks Tod (65)




Bismarcks Tod

Mit weißen Schwingen stand auf einem Berge,
Der über alle seinen Gipfeln trug,
Ein Genius…. Er kam aus tiefer Nacht,
Die manch Jahrhundert seinen Flug umsponnen,
Er hatte jubelnd seiner Schwingen Spitzen
Getaucht in Morgenrot und flog dann stolz
Zu Gipfelhöh'n die keiner je gedacht.

Hier stand er jetzt, mit einem Wächterblick
Auf's Schwert gestützt, im Glanz der Mittagssonne.

Und siehe: vor ihm, über Steinen, schlief
Mit blasser Stirn und unbewegtem Haupte
Ein großer Sieger.
Jener sah herab
Blauäugig, forschend: „Bist du müde, Tod?“
Der hub sich scheu der große Schläfer auf:
„Ja, ich bin müde! Viele tausend Kinder
Trug ich empor-auf so viel Stolz und Macht
Setzt' ich noch stolzer meinen Siegerfuß,
Heut aber bracht' ich einem Großen Ruh',
Mit keinem Größern hab' ich je gerungen,
So lang die Erde rollt.-Nur bin ich matt.…“

Er reckte sich; sein Haupt viel je zurück,-
Da schwoll ein Brausen von den Thälern her,
Und war wie Stöhnen eines großen Volkes,
Und übertönte jeden Glockenklang.

Reglos am Schwerte stand der Genius.
Dann lief ein Zittern durch den Glanz der Flügel,
Und zitternd klirrte am Geröll der Stahl.

„Es war kein Größrer!“ sagte halb im Schlaf
Der Sieger Tod.
„Und war auch keiner, den wir mehr geliebt!“
Sprach still der Genius.
Das dumpfe Brausen schwoll
Und ward verbreitet über alle Thäler,
Er aber griff der Schwert mit fester Hand
Und hob sich auf und flog mit müden Schwingen
Langsam und schwer nach Sonnenuntergang.….

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de