2017-03-06

C.Busse-Vagabunden: In der Heimat (27)




In der Heimat

Mit Kränzen und Wunden, nach vielen Jahren,
Bin ich in meine Heimat gefahren.

Da ging ich und wollte mich selber führen,
Ich kannt' in diesem Neste ja jeden Pfahl,
Noch saßen die Bürger vor ihren Thüren
Und rauchten wie anno dazumal.
Noch immer trieben die Kinder Reifen,
Noch grünte der Efeu am Küsterhaus,
Und aus dem buschigen Gartenstreifen
Ragt die alte Kirche heraus.
Die beiden Glocken begannen grade,
Ich habe gehorcht, ich habe genickt,
Und habe versonnen von meinem Pfade
Den schlanken Turm in die Höhe geblickt:

Oft hab' ich als Kind bei den Glocken gestanden,
Hab' die Hände gefaltet: wie schön das war!
Fern hing ein Schleier über den Landen,
Doch vorn war es klar.
Da wünscht' ich: O käm' ich mit jedem Sprunge
Gleich sieben Meilen, wie' s Däumling macht!
Doch sagt' ich es nicht, denn der Küsterjunge,
Ich weiß, er hätte mich ausgelacht.
So konnt' ich nur stumm auf die Länder gucken,
War alles so klein, war alles so still,
Nur die Dohlen fragten wohl durch die Luken,
Was ich hier will.

Und ich dachte so weiter: Vom Singen und Beten
Ich habe mich Sonntag für Sonntag gedrückt,
Doch das Glockenläuten und Bälgetreten,
Das ist mir immer wie Keinem geglückt.-
Nun zog ein andrer Junge die Stränge
Durch Abendfrieden und Hüttenrauch,
Ich aber in Treuen grüßte die Klänge,
Und mir war immer, sie grüßten mich auch.-

Mit Augen, die still und friedlich waren,
Bin ich aus meiner Heimat gefahren.
Die Zukunft lacht. Mein Herze stürmt und läutet,
Mein ist der Kampf-die Jugend-und die
Kraft!

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