2017-03-25

C.Busse-Vagabunden: Reif (83)





Reif

Seht, wie ein schwerer Fruchtbaum steh' ich hier
Und warte schweigend.
Ungezählte Blüten
Trug ich verschwenderisch dem Frühling zu.
Sorglos und selig streut'  ich tausend hin,
Wenn sich die Herzen meiner Jugend freuten,
Wenn mich der Wind, der wilde Tänzer, schwang.

Der Frühling ging. Still in mich selbst beschlossen
Sann ich dem Kreisen neuer Kräfte nach,
Die mich durchdrangen. Sprach ein Kind zu mir:
„Was blühst du nicht? Wo ist dein Feierkleid?“
Ich schwieg und sann. Da schalt es in die Winde
Und ließ mich stehen.
Langsam wuchs und ward,
Was mich erfüllte. Nun die Reise naht,
Und jeder Ast, auch noch den Bruder beugend,
Vor goldnen Früchten überschwer sich senkt,
Harr' ich der lese.
Nicht zum Blühen nur,
O meine Freunde, ward ich euch gesendet-
Ihr sollt auch ernten! Wer da pflücken will,
Ich trag' ihm schweigend meinen Reichtum zu.

Ein schwerer Fruchtbaum steh' ich hier und warte,
Daß Gott mich schüttelt

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