2017-03-13

C.Busse-Vagabunden: Sedan 1895 (62)




Sedan 1895

Er schob die Mütze seitwärts übers Ohr
Und trug den Stelzfuß vor die arme Schwelle:
Da singen Kinder durch die Morgenhelle
Und schwere Fahnen rauschen stolz empor.
Starr bleibt er stehn. Doch dann ein Jubelschrei:
Sedan! Sedan! Vom Kopf reißt er die Mütze!
Weit fliegt sein Stock-heut braucht er keine
Stütze!
Und Jauchzend tönt es: „Ich war auch dabei!“

Jawohl, auch er! Wie groß sein Jammer war,
Heute denkt er nicht an die zerschossnen Glieder,
An seinen Fingern zählt er immer wieder
Und nickt für sich: schon fünfundzwanzig Jahr!
Er geht zurück-noch immer ohne Stock-
Und kramt in Schüben und vergeßnen Flittern,
Sein Auge glänzt und seine Hände zittern,
Mit alten Orden schmückt er seinen Rock.

So wild wie heute überkam's ihn nie,
Er weiß, auch er ist heute nicht verlassen,
Und straff wie früher steltzt er durch die Gassen,
Nickt rechts und links- ihm ist, er weiß nicht wie,
Als sähn die Menschen stumm an ihm empor,
Als neigten sich die dreigeteilten Fahnen,
Als grüß' auch ihn, den ärmsten Veteranen,
Der Dankesglocken feierlicher Chor!

Sein Rock wird eng, zu Herzen strömt sein Blut,
Er küßt das Kreuz mit seinem eichnen Kranze,
Und seine Bänder stehn in neuem Glanze,
Und seinen Narben glühn in neuer Glut.
Sedan! Sedan! Alljubelnd tönt das Wort!
Und mit den andern Arm in Arm verschlungen,
Hat lachend, weinend er sie mitgesungen,
Die Wacht am Rhein-

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