03.03.2017

C.Busse-Vagabunden: Sonntags (4)





Sonntags

O mir thut eine Sehnsucht weh,
Wenn ich die lachenden Menschen seh'!
Handwerksburschen, Soldaten und Kinder,
Vornehm dazwischen ein ernster Zylinder,
Und das Schönste von allem dann:
Die jungen Mädchen, von vierzehn an.…

Auf jedem Weg so ein fröhlicher Schwarm,
Die Jäckchen über dem bloßen Arm,
Vorn im Gürtel der Blumenstrauß,
-Sehn alle schon selber wie Blumen aus.

Wollt ihr mir sagen, was lieblicher ist,
Als so ein Prinzeßchen im steifen Battist,
Wenn schief im Winde die Schärpe weht
Und der Sonntag allen im Auge steht?
Wird sie vom weitem schon tuscheln und lachen,
Wohl über süße verbotne Sachen,
Wissen schon zierlich das Köpfchen zu drehn,
Die Augen zu senken-bei Seite zu sehn,
Und schielen nach altem Rezept und Recht
Schon schelmisch hinüber zum „andern“ Geschlecht.
Ach Gott, mir thut eine Sehnsucht weh,
Wenn ich so einsam vorübergeh'.
Noch einmal möchte der Herrgott mir geben,
Das alte süße Idyll zu leben:

Mit so einem Mädel ins Grüne gehn,
Ihr tief in die lachenden Augen sehn,
Im Walde Rast bei Kuss und Kranz,
Im Feld ein Lied, im Krug ein Tanz,
Die schönste Fahrt auf stillen Seen,
Wo märkische Kiefern am Ufer stehn,
Und dann, wenn sich der Abend wiegt,
Tiefheimlich Arm in Arm geschmiegt
-Die Sterne groß und voll in Höhn-
Und du so jung und wunderschön.

Das Thürlein klingt-“ ich hab' dich lieb“-
Die Stunde schwand,-ihr Glück, es blieb.
Und eh im Schlaf die Wimper sank,
Es ist fast wie ein stiller Dank,
Dass Gott es so herrlich vorbedacht
Und extra für uns den Sonntag gemacht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de