05.03.2017

C.Busse-Vagabunden: Studentenweisheit (15)




Studentenweisheit

Vor den blanken Ladenscheiben
Wie so gern ich stille steh!
Willst du immer spröde bleiben,
Liebe kleine Blumenfee?
Schönheit führt ein Wanderleben,
Jugend ist ein kurz Geschenk,
Und es soll ein Sprüchlein geben,
Nimm' s zu Herzen und bedenk:
Mädel, es welken die Rosen,
Flamm' und Feuer verloht,
Heiß ist der Kuß der Studiosen,
Ach, und so kalt küsst der Tod!

Heut, als wir auf Bummel zogen,
Standst du vorn im Laden drin,
Hei, und zwanzig Köpfe flogen
Ruck und Zuck zum Fenster hin.
Rote Mützen, blaue Mützen,
Selbst der Windgolf zog vorbei,
Und du willst dein Herz beschützen
Vor der ganzen Kumpanei?
Mädel, es welken die Rosen
Flamm' und Feuer verloht,
Heiß ist der Kuss der Studiosen,
Ach, und so kalt küßt der Tod.

Hast den deinem du erkoren,
Küß ihn lang ' zum ersten Mal,
Denn gar bald saust um die Ohren
Klingend ihm mein guter Stahl.
Sieh, Ich gönn' dich keinem Knaben,
Und geling' ts mir selber nicht,
Soll ein braver Bursch dich haben,
Aber nicht ein Milchgesicht!
Mädel, es welken die Rosen,
Flamm' und Feuer verloht,
Heiß ist der Kuß der Studiosen,
Ach, und so kalt küßt der Tod!

Rote Mützen, blaue Mützen,
Keine macht dich heller glühn,
Willst du deine Jugend nützen?
Willst du ungeküsst verblühn?
Liebst du diesen, liebst du jenen,
Lächelnd schaust du einst zurück;
Giebt es Abschied, giebt es Thränen,
Doch es gab vorher ein Glück.
Mädel, es welken die Rosen,
Flamm' und Feuer verloht,
Heiß ist der Kuß der Studiosen,
Ach, und so kalt küßt der Tod!

Träumend von verklungnen Siegen
Stehst du einst im Laden drin,
Ach, und zwanzig Köpfe fliegen
Nach der hübschen Nachbarin!
Wie's die flotten Jungen treiben!
Und sie lacht und weiß warum-
Und du lehnst dich an die Scheiben,
Aber keiner sieht sich um:
Mädel, dann welken die Rosen,
Sind Flamm' und Feuer verloht,
Dann wein' um die heißen Studiosen

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