05.03.2017

C.Busse-Vagabunden: Traum (18)




Traum

Wohl tausendstund' hat' ich an dich gedacht,
Und einmal war's, in einer Sommernacht,-
Die Scheiben klirrten leise nur im Zuge,
Schwül stand im Mondlicht die Gewitterluft,
Und heiß und schwer durch jede Fensterfuge
Trieb meiner Rosen ungestümer Duft-
Und damals war's-mir blieb das Herz fast stehn,
Der Rosenduft stieg auf aus deinem Haare-
War das noch goldblond? Warst du schön wie einst?
Die Leute sagen, dass du oft jetzt weinst,
Wo blieb der Frohsinn deiner zwanzig Jahre?

O, tausend Fragen stürmten mir durchs Hirn,
In Fieberschauern glühte meine Stirn,
Und wären Furcht noch meinen Atem band,
Fühlt' ich die Rechte plötzlich mir umschlossen,
Und sie war feucht und brennend, deine Hand,
Als wär' grad' jetzt ein Thränlein draufgeflossen.

Da hielt' s mich nicht-ein Schluchzen fiel mich an,
Wie einst der Junge durchgeweint die Nächte,
Und heilig küsst' ich eine lange Flechte,
Die weich und wellig übers Kissen rann.
Was fragt' ich nicht! Ob's dich zu mir triebe?
Weshalb du kämst?-Du sprachst: „Weil ich
dich liebe!“
Und bargst in Scham die Augen mit der Hand,
Wiewohl mein Zimmer tief im Dunkel stand.-

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