2017-03-10

C.Busse-Vagabunden: Vor einem Grabe (53)




Vor einem Grabe

Die letzte Handvoll Sand warf ich dir nach…

Der Kreis verlief sich; von der stillen Stätte
Drängt jedes Herz dem vollen Leben zu-
Bald wird der Wind, fahrig und ohne Ruh,
Allein noch wandern um dein letztes Bette
Und der Vertraute deines Hügels sein….

Er wühlt sich hier in stolze Kränze ein,
Bläst dort in Schleifen, die sich knisternd regen,
Er rafft sich auf und heult den Totensegen
In dunkler Nacht noch über Kreuz und Stein.
Pfauchend und rastlos, ungestüm und schrill-
Das alte Klagweib wird nur selten still!

Und fern darein braust wie ein dumpfer Chor
Die Riesenstadt in Arbeitsweh und-wonnen,
Die Straße tönt vom Marschtritt der Kolonnen,
Und ein Kommando trifft mein lauschend Ohr.
O Leben! Leben! Was ist Not und Tod
Vor jenem Hunger, den dir Gott beschieden?
Dein Kampf um Glück und Brot,
Er überschreit den tiefsten Kirchhofsfrieden!

Bis an die Pforte tost der Arbeitstag,
In breiten Riemen saust der Schwung der Räder,
Nach Glück und Brot ringt neben Flug und Feder
Der schweren Hämmer gleichgestellter Schlag.….
Und Kinder lachen lieblich wie zuvor,
Die Mädchen blühn, sie blühn so schön wie immer,
Um mit dem alten goldnen Frühlichtschimmer
Steig Tag um Tag auch heute noch empor.
Ein Jahr wird kommen und ein andres gehn,
Viel tausend Blüten werden Früchte geben,
Und ich darf alles, alles noch erleben--

Mein Kamerad, nur du sollst nichts mehr sehn!

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