11.03.2017

C.Busse-Vagabunden: Zweitausendundzehn (55)




Zweitausendundzehn

Heute bin ich über den Burgwall gegangen,
Als droben die letzten Glocken verklangen
Und um die Türme von St. Marien
Mißtönig kreischend die Dohlen schrien.

Neben mir, hoch in den silbernen Flor,
Drängten die gotischen Pfeiler empor,
Und vor mir hellte der Mondenschein
Eine staubige Platte von weißem Stein.

Eingelassen in Straßenmitten,
Wohl liebe Worte darein geschnitten,
Doch längst verwaschen-nur deutlich zu sehn
Das Kreuz und: Sechzehnhundertundzehn!

Namen, Wappen und Schilderein,
Alle vergaßen sie-selbst den Stein!
Staub und Asche, auch das verfliegt,
Niemand weiß, wer darunter liegt.

Kaum der Jahrhunderte zwei oder drei,
Dennoch vergessen und alles vorbei-
Meine Augen sind trüb', meine Augen sehn
Eine andere Zahl: Zweitausendundzehn!

Zweitausendundzehn- und keiner wird bleiben,
Nicht die den Pflug durch die Erde treiben,
Nicht die da mähten mit blitzendem Stahl,
Und nicht die Spielleut' beim Erntemahl.

Und wem sich das Wissen der Welten enthüllte,
Und ihr, von seliger Liebe Erfüllte,
Und ich und du, und wir alle wir gehn,
Wem bleibt noch ein Kreuz-zweitausendundzehn?
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