21.04.2017

Gedichte von S.A.Mahlmann: Gebet (11)



Gebet

Wenn mein Geist vom Staubgewande
Sich emporzuwinden strebt,
Wenn ihm Todesfurcht und Schrecken
Ahnungsvoll entgegenschwebt,
Wenn ich zittre, wenn ich zage
An dem schwersten, bangsten Tage,
Dann, Allliebender o du!
Wehe Kraft und Trost mir zu!

Nicht das Klagen meiner Freunde,
Nicht ihr heißer Thränenblick
Halte meine müde Seele
Noch in diese Welt zurück!
Nicht um ewig hier zu wohnen,
Schufst du deine Millionen,
Nein, du führst mit Vaterhand
Sie ins unbekannte Land.

Deiner Erdenkinder Thränen,
Ihren Kummer, ihre Noth
Duldest du nur Augenblicke,
Endest du mit sanftem Tod;
Und dann führst du, zur Belohnung,
Sie in eine bess're Wohnung,
Wo kein Auge Thränen tropft,
Wo kein Busen ängstlich klopft.

Führ' auch mich nach Jenseits über,
Denn mein Lebenstag ist schwül,
Dornig sind die Pilgerpfade
Und die Grabnacht still und kühl!
Löse sanft des Körpers Bande,
Führe mich zu jenem Lande,
Wo der Friede Gottes schwebt,
Sokrates und Jesus lebt!



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