2017-05-16

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Zelter 07.08.1825 (474)



475. An Zelter

Du bist, soviel ich weiß, dem Königstädter Theater förderlich; nun les ich in der Zeitung, es habe ein Frauenzimmerchen, geschickt und belobt in Knabenrollen, vor kurzer Zeit engagiert.

Unter meinen Papierlasten aber liegt der »Schutzgeist« von Kotzebue, an dessen Redaktion, Bearbeitung, Umarbeitung pp. ich mehr als billig gewendet, so daß es ein schickliches und angenehmes Stück geworden ist. Mit weniger Dekoration, ein bischen Musik und sonstigen Theateranmutigkeiten muß es gefallen, wenn das Kind gefällt, zu dessen Bravour es geschrieben ist. Dieses will ich wohl mitteilen und verlange vorerst weiter nichts dafür. Wird es mit Glück gegeben, so bedinge mir ein Frühstücksservice, meiner Schwiegertochter zu verehren, das die Direktion alsdann nach Verhältnis zu schätzen die Freiheit hat. Das Manuskript kann sogleich schicken, denn eine Abschrift liegt von alten Zeiten her bereit.

Ich dächte, schon die barocke Inschrift:

»Der Schutzgeist 
ein Schauspiel von Goethe nach Kotzebue« 
müßte ein großes Publikum anlocken, wie ein anderes Wundertier auch.

Und hiemit allen guten Geistern befohlen.

Weimar, den 7. August 1825.

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