2017-05-22

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Goethe 19.09.1825 (478)



479. An Zelter

Zuvörderst also vermelde, daß die Briefe nebst allem übrigen Angekündigten und Unerwarteten glücklich angekommen seien. Die Zeitungen hatten mir schon von Deinem so wohl verdienten Feste freudige Nachricht gegeben, und ich konnte sodann in die nachgesendeten Gedichte von Herzen einstimmen. Deine guten und frommen Worte hab7 ich mir zugeeignet, und wenn Du das mittlere Gedicht von den drei beikommenden auf Dich beziehen und es Deiner Liedertafel zu Stärkung des Glaubens aller Wohlgesinnten widmen willst, so werd’ ich Dir Dank wissen.

Daß ihr meinen Geburtstag darauf so freund-feierlich begangen, ist auch dankbarlichst anerkannt worden.

Von hiesigen Gedichten zum dritten September sende nächstens mehr. Die Zeitungen bringen euch schon Nachricht von unserm Jubeln. Heute verzeih! denn ich bin durch diese Festtage wirklich zurückgekommen. Die Hoffmannische Buchhandlung will das, was sich darauf bezieht, zusammendrucken; ein Exemplar soll Dich alsobald aufsuchen.

Unserm treuen Langermann danke allerschönstens für sein wichtiges, gleich vernichtetes Blättchen; er soll doch ja einmal wieder einige Stunden an mich wenden. Sein gerader Sinn in dieser Vollkommenheit des Um- und Durchschauens ist nicht genug zu bewundern.

In jenen Tagen des Festes hab’ ich mich, wie ich nicht leugnen will, männlicher benommen, als die Kräfte nachhielten; was ich aber tat, war notwendig und gut, und so wird sich denn auch wohl das gewohnte liebe Gleichgewicht bald wieder herstellen. Sonst ist mir noch manches Gute begegnet, dessen Mitteilung nicht außenbleiben soll.

Danke den sämtlichen Mitgästen vom 28. August zum allerschönsten.

Treulichst

Weimar, den 19. September 1825. Goethe.


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