2017-05-26

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Zelter 03.11.1825 (479)



481. An Zelter 03.11.1825

Erst jetzt erfahre ich, mein Teuerster, daß in der Postordnung zwischen hier und Berlin eine Veränderung vorgegangen und bei wechselseitiger Korrespondenz auf Dich die schwerere Last fällt. Gegenwärtiges schicke durch den weimarischen Hofbildhauer Kaufmann.

Das Hin- und Widersenden der Korrespondenz hätte Dir keine Kosten verursachen sollen. Wegen des Vergangenen bereite ich Dir eine willkommene Entschädigung; wegen des Zukünftigen sei folgendes verabredet: Zwischen Berlin und Weimar ist jetzt ein [so] lebhafter Personenwechsel, daß ich die letzten Wochen immer zweimal Gelegenheit gehabt hätte, Dir etwas zu senden. Laß uns darauf denken und immer ein Briefchen bereithalten, damit es zur rechten Zeit und Stunde fortgeschickt werden könne, unser Verhältnis ist ja ohnehin der Eile nicht unterworfen. Auch so verfahre mit dem letzten Paket der Briefe, um das ich Dich gebeten habe.
Von mir habe ich soviel zu sagen, daß meinem Alter und meinen Umständen nach ich wohl zufrieden sein darf.

Die Verhandlungen wegen der neuen Ausgabe meiner Werke geben mir mehr als billig zu tun; sie sind nun ein ganzes Jahr im Gange; alles läßt sich aber so gut an und verspricht den Meinigen unerwartete Vorteile, um derentwillen es wohl der Mühe wert ist, sich zu bemühen.

Auch fehlt es nicht mitunter an guten Gedanken und neuen Ansichten, zu denen man auf der Höhe des Lebens doch oft glücklich hingeführt wird. Auch Du wirst Deinen alten Gang fortgehen, und möge Dir, so oft das Glück günstig ist, eine frische unerwartete Freude bereitet sein!

Hiermit wünsche wohl zu leben, baldige Erwiderung hoffend.

Treu angehörig 

Weimar, den 3. November 1825. Goethe.

Nachschrift.

Auf näheres Befragen erfahre, daß die fragliche Postanordnung nur ein Interimistisches sei und vielleicht bald ausgeglichen werde. Melde mir von Deiner Seite, was Dich davon berührt.




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